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Die Gaffelklau

A day as the ship's carpenter

Das Gunterrigg ist durch die steil stehende ca 3,5m lange Gaffel gekennzeichnet. Characteristic for the gunter is the steep gaff, which measures  11' 3''.
Gleit oder Guntertakelung unserer Penobscot 17

Die Ferien haben begonnen, Corona legt eine Pause ein und es wird Zeit segel zu gehen. 

Oder einfach nur, es wird Zeit segeln zu gehen.

Leinen sortieren, Boot ausräumen, TÜV des Anhängers checken. Der braucht diese Jahr neue Reifen. Die Segel haben bei uns den besten Platz der Welt. Im Dachboden hängen sie in der Schräge, trocken und sauber.Die Penobscot 17 steht noch gut im Lack. Der ist jetzt fünf Jahre alt, aber die Gute lebt ja auch die meiste Zeit des Jahre schattig und gut gelüftet.

gaff clutch of the Penobscot 17 sailboat
Gaffelklau der Penobscot 17 Gaffeljolle

Aber gibt es da nicht immer die Leiche im Keller? Dieses Jahr kann ich anscheinend nicht daran vorbei gehen ohne etwas genauer hinzuschauen. Und dann ist manchmal einfach der Zeitpunkt gekommen an dem man hier etwas fester drückt und da etwas stärker quängt. Und dann wird der Riss in der Gaffelklau eben zu offensichtlich um ihn noch ein weiteres Jahr zu ignorieren. Wer will auch schon riskieren, dass das ganze Bertel von oben kommt – natürlich wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Nein, gute Seemannschaft gebietet es, richte es sofort, sonst - naja du weist schon was.

Ich nehem mir also die Säge und trenne das Horn an der Steuerbordseite der Klau ab, dann gibt es kein zurück mehr und die Sache muß angegangen werden. Natürlich wächst bei dem ganzen hin und her auch schon ein Plan und es steht fest, dass ich die Reparatur nicht wieder in Fichtenholz ausführen werde. Ich möchte eine laminierte Klau und werde sie aus einer schönen Eichenbohle sägen , die ich noch gelagert habe.

2013 hatte ich die beiden Hörner der zweiteiligen Klau aus einem Fichtenklotz geformt und in eine 1/4" tiefe Nut back- und steuerbords der Gaffel eingelassen. Den nach dem Absägen des Horns in der Stenge verbliebenen Rest entfene ich mit "chirurgischer Präzision" und einer Auswahl von Stechbeiteln. Das geht einwandfrei und die Nut kommt zum Vorschein wie an dem Tag als ich die Hölzer ursprünglich verleimte. Eine zweite Chance.

laminating oak veneer
the mould for the lamination of the new jaw

Die Eichenfuniere für die Laminierung schneide ich von einer 65mm Eichenbohle. Hobele dabei jeweils eine Seite vor dem Säge an der Bohle, die zeite Seite am abgesägten Funier. 

epoxy lamination of oak veneer on mould
lamination clamped to the mould

Als Kleber verwende ich in diesem Fall Epoxid. Spring back – das dem Biegen entgegenwirkende Rückfedern ist hier unkritisch. Ausschlaggebend für ein geringes Zurückfedern nach dem Lösen der Klemmen ist die Anzahl der Laminate. Die geringe Schänkellänge kommt mir entgegen, da sie den Effekt an den beiden  Werkstückenden nur wenig verstärkt .  

Jetzt werden die Eckdaten vom beschädigten Teil abgenommen und mit Winkel, Lineal und Streichmaß auf das Laminat übertragen. Zurück an der Bandsäge schneide ich grob zu und nähere mich so der Originalform an. Zwischenduch schaue ich auch wie der Fortschritt sich beim Anhalten an die Gaffel zeigt.

replaced gaff jaw
Reparierte Gaffelklau

Die neue Klauhälfte klebe ich mit Epoxy ein. Auf eine zusätzliche Verschraubung verzichte ich, da ich zum einen über eine große Klebefläche verfüge und zum anderen das Laminat eine viel stärkere Integrität aufweist als des Nadelholzpendant.

repaired gaff jaws
Reparierte Gaffelklau

So sieht die fertige Gaffel aus. Und mittlerweile wurde sie bereits während unseres Sommerurlaubs

getestet und hat sich bewährt. Wenn die zweite Seite Schwächen zeigt, werde ich sie in gleicher Weise ersetzen. Aber wie sagen meine austarlischen Freunde: If it's not broken – don't fix it.